Die Demokratie

Wie würden sie wohl reagieren, die Urväter dessen, was wir die “attische Demokratie” nennen? Was würden die Vorväter und Vordenker zu der in 2.500 Jahren entstandenen Verfremdung ihrer Idee der “Herrschaft durch das Volk” zu sagen haben?

Mußte man sich ehedem dafür qualifizieren, um zu dem Teil des Volkes zu gehören, der in verantwortungsvoller Mitarbeit über die Geschicke des Staates mitzubestimmen und mitzuregieren die Ehre und Verpflichtung, das Bewußtsein um die Verantwortlichkeit hatte[6], so stellt die Demokratie zum Ende des zweiten Jahrtausends n.C. nur noch einen vulgären Abklatsch dessen dar, was eigentlich gemeint und gewollt war.

Im Klartext: Unter dem Mäntelchen der Demokratie darf, kann und soll jede(r) BürgerIn seine/ihre Stimme zu Themen und Vorgängen, Fragen und Problemen, anstehenden Entscheidun­gen und politischen Sachverhalten abgeben – ohne daß hierfür ein Mindestmaß an Verständnis um die Zusammenhänge, ein Wissen um die Hintergründe und ein Bewußtsein um mögliche Auswirkungen vorherrscht. Die Kunst “demokratischer” Staatsführung besteht heute darin, Majo­ritäten entsprechend herbeizumanipulieren, um davon essentiell betroffene Minoritäten unter Kuratel zu zwingen. Die Demokratie ist zum Spiel der Masse verkommen (“Majokratie”) – zu Lasten wirklich entscheidungsbewußter, fachlich-qualifizierter und damit in der Verantwortung stehender Minoritäten.

Anders ausgedrückt: Da die Zahl der Arbeitnehmer (logischerweise) immer größer sein wird als die Summe der Selbständigen, gewinnt man “demokratische” Mehrheiten am besten dadurch, daß man die Selbständigen diffamiert und zu Ausbeutern der Massen (also der Majorität) erklärt. Einen zweiten Keil treibe man zwischen die Vermieter von Wohnungen und die (zahlenmäßig größeren) Mieter. Die Minorität der Wohlhabenden läßt sich der Majorität der weniger Begüter­ten wunderbar als Feindbild verkaufen. So werden heute “demokratische” Mehrheiten geflochten und Minderheiten ins Abseits gedrängt. Da die ehemalig persönlichen Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Vermietern und Mietern, Ältern und Jüngeren usw. durch dazwischengestellte Organisationen und Institutionen, Gesetze und Verordnungen unterbrochen und entpersönlicht wurden, dem Bürger der Blick für komplexe Zusammenhänge innerhalb eines Gemeinde- oder Staatswesens längst getrübt und zwischenmenschliche Beziehungen durch insti­tutionelle Verwaltungskonsortien ersetzt wurden, degenerierte das soziale Miteinander zu einem Kopfzahlen-Spiel im statistischen Vakuum impersoneller Anonymität. Platitüden und eingängige Floskeln ersetzen reales Wissen und Verständnis um Zusammenhänge. Der seiner persönlichen Verantwortlichkeit längst enthobene und entmündigte Bürger steht all dem verwirrt und irritiert gegenüber – eigentlich entscheidungsunfähig, aber zur Entscheidung gedrängt. Die Demokratie ist zur Demokratur verkommen. An ihrer Spitze stehen heute nicht mehr die Erfahrensten, sondern marktschreierische Hochstapler, die Säulenheiligen der etablierten Parteien und machtversessene Berufspolitiker.

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